Christoph Baumgartner spielte bei RB Leipzig seine bisher beste Saison. Jetzt hat er bei der WM viel vor – weil er gerne träumt und dann an Marcel Hirscher denkt. 6,3 Sekunden. So lange dauerte es, bis Christoph Baumgartner im Spiel Österreich gegen die Slowakei im März 2024 getroffen hat. Das schnellste Tor der Länderspiel-Geschichte. Gute zwei Jahre brauchte es hingegen, bis der Niederösterreicher bei RB Leipzig endlich jene Rolle spielte, die er schon seit Jahren im ÖFB-Team innehat. „Ich wollte mehr, war nicht zufrieden mit meiner Leistung in den ersten zwei Saisonen“, gibt der 26-Jährige zu. Auch, weil er sich in der Einsatzzeit, die er bekommen hat, oft zu viel Druck auferlegt hat. „Wenn ich gespielt habe, hatte ich manchmal das Gefühl, ich muss jetzt abliefern, muss ein Tor schießen, sonst habe ich meine Chance nicht genutzt.“ Geklappt hat das so richtig erst 2025/26. Mit 22 Scorerpunkten (bei Redaktionsschluss: 13 Tore, 9 Assists) zählt Baumgartner zu den gefährlichsten Offensivspielern der Bundesliga. Hilfe in Rot-Weiß-Rot Dass er in den Monaten als Ersatzspieler nicht ins Zweifeln kam, ist auch Österreich zu verdanken. „Das Nationalteam hat mir in schwierigen Phasen geholfen. Dort habe ich gezeigt, was ich kann. Das Potenzial war ja da. Jetzt schaffe ich es, genau das auch im Club abzurufen.“ Dabei sind Tore und Torvorlagen nur die sichtbarsten Indikatoren für Baumgartners Leistungs-Explosion. Eine seiner großen Stärken, das Anlaufen der Gegner, lässt sich bei weitem nicht so einfach messen. „Mir sind auch andere Dinge für eine gute Leistung sehr, sehr wichtig: Wie schaffe ich es, meine Mannschaft zu unterstützen, was leiste ich konkret im Spiel, wie kann ich da das Pressing strukturieren, wie viel Energie bringe ich ins Team?“ Wir haben gegen Italien und Deutschland gewonnen. Wir können auch Argentinien schlagen. Baumgartner ist in Leipzig zum Führungsspieler gereift, blickt schon auf acht Bundesliga-Saisonen zurück, trug im April erstmals die Kapitänsbinde. Im ÖFB-Team zählt er seit 2020 zum Stamm. Dort passt er nicht nur aufgrund seiner Pressingstärke perfekt ins System von Ralf Rangnick, er entwickelte sich unter dem Deutschen zu einem Torgaranten und damit zum Hoffnungsträger. „Vor der letzten EM hat es eine Phase gegeben, in der ich fünf Spiele in Folge getroffen habe. Da war klar, dass der Anspruch an mich steigt, auch weil ich im Team einen Tick offensiver als in Leipzig spiele.“ Teamkollege Michael Gregoritsch attestierte vor dem EM-Spiel gegen Polen gar mögliche Rückenschmerzen, weil Baumgartner die Last eines ganzen Landes tragen müsse. Doch dieser hielt dem Druck stand – er traf beim 3:1-Sieg zum 2:1 – und ist dafür dankbar: „Druck ist ein Privileg, ein Zeichen dafür, dass du dir vorher etwas erarbeitet hast. Hätte ich vor der EM keine gute Phase gehabt, wären die Erwartungen an mich andere gewesen.“ Entscheidend sei, sich „von dem Ganzen nicht erdrücken zu lassen. Dass ich mir das erarbeitet habe, muss ich mir immer wieder einprägen, um Druck in positive Energie umzuwandeln.“ Maximaler Einsatz Wie das genau funktioniert, macht Baumgartner am Beispiel Skisport klar: „Wenn Marcel Hirscher im Slalom als Letzter bei der WM startet, lastet ein immenser Druck auf ihm. Aber das ist absolut positiv, weil es bedeutet, dass er einen guten ersten Durchgang gefahren ist. Hätte er im ersten Lauf nicht performt, wäre der Druck deutlich geringer. Wenn er es sich aussuchen könnte, würde er jedoch jedes Mal die er